Packen ist die halbe Miete.

Wir fahren mit einem klassischen Reiseradler-Setup bestehend aus Backrollern, Forkpacks, Handlebarpack und einer kleinen Oberrohrtasche ergänzt durch einen 22l Drybag und unsere Rucksack-Oldies und können uns nun nach satten 14,5 Monaten radeln und mehr als 24.000 Kilometern in Regen- und Trockenzeiten an eine ehrliche Performance-Bilanz unseres Ortlieb-Setups wagen.

Ortlieb

Auf einer Radreise sind wir den ganzen Tag Outdoor unterwegs und campen wann immer es möglich ist. Unsere Taschen lassen wir auch in der Nacht gerne am Rad – daher hatten wir bei der Auswahl derselben auch ein klares Hauptkriterium und, Achtung Spoiler, es hat sich gelohnt: Sämtliche Taschen haben den Test namibisch staubiger Bedingungen, sambisch-malawischer Wolkenbrüche, Phasen des Dauerregens, diverse Flussdurchquerungen samt partieller Tauchgänge und dichten Schneematsch von oben und unten mit Auszeichnung bestanden! Ortlieb steht offenbar nicht umsonst für absolute Wasserdichtheit!

Die Backroller (2×20 Liter) sind bei unserem Setup der Fels in der Brandung und die Tasche, an die wir die größten Erwartungen hatten. Der Rollverschluss ist unbestritten genial, gemessen an Adaptionsmöglichkeiten und Wasserdichtheit!

Ebenso 100 Punkte gibt es für das Classic-Material, es ist sehr strapazierfähig, unkompliziert und verlässlich. Unter der afrikanischen Sonne fiel uns allerdings auf, dass sich die dunkelgrauen Backroller von Johanna unverhältnismäßig mehr aufheizten als Tanjas, was sie zum Transport verderblicher Lebensmittel ungeeignet macht.

Die Befestigung wirkt sehr vertrauenswürdig, auch bei der Durchquerung reißender Flüsse und schräger Lagerung, gleichzeitig ist der Backroller die klassische Tasche zum schnellen Abnehmen wenn man mal doch in ein Haus oder Zelt einzieht.

Ein sehr umsichtiges Detail der Taschen sind die Reflektoren – vor allem wenn die Tagesetappe einmal unterschätzt wurde und die letzten Kilometer in der Dämmerung gefahren werden müssen.

TIPP: Die Reduzierstücke für unterschiedliche Rohrdurchmesser sind zwar absolut notwendig, lösen sich allerdings leicht auf Rumpelpisten bzw. beim Aus- und Einhängen der Taschen und gehen daher gerne unbemerkt verloren. Unser Learning: Lieber vorher Superkleber verwenden, als sich nachher Ersatz aus Gaffa zu basteln!

INHALT: Kleidung, Schuhe, Werkzeug, Badezimmer, Töpfe, Geschirr und Lebensmittel, Apotheke, Elektrozubehör

Die Forkpacks (2×5,8 Liter) haben eine gute Größe, die das Lenkverhalten nicht wesentlich beeinflusst. Ein weiterer Vorteil des geringen Volumens: auch stinkige oder nasse Inhalte (Benzinkocher, Regenkleidung) können separat verpackt werden und ziehen so nicht allzu viel anderes Gepäck in Mitleidenschaft.

Die direkte Montage an der Gabel mit den Winkeladaptoren von Ortlieb ist unkompliziert und langlebig – hat sich bisher nicht ausgeleiert und wirkt so stabil wie am ersten Tag. Einzig das Material der Forkpacks bleicht im Vergleich mit dem der Classic-Backroller eher aus und zeigt auch hier und da schneller Abnutzungsspuren.

TIPP: In Kombination mit der Lenkerrolle wird das Öffnen manchmal etwas mühsam. Unsere Lösung: In die Forkpacks kommen hauptsächlich Dinge, die nicht jeden Tag im Einsatz sind, aber im Notfall schnell zur Hand sein müssen.

INHALT: Erste Hilfe Paket, Ersatzschläuche, Regenkleidung, Spanngurte, Drahtschloss, Benzinkocher

Die Lenkerrolle (15 Liter) begeistert uns durch ihren großen Stauraum und den praktischen beidseitigen Rollverschluss. Dadurch lässt sich die Größe der Rolle individuell und je nach Setup anpassen und sogar die bei uns notwendige asymmetrische Montage der Rolle ausgleichen.

Die Erstbefestigung der Lenkerrolle ist zwar etwas umständlich, dafür bleibt sie auf rumpeligen Pisten und auch beim Transport kopfüber immer an Ort und Stelle. Häufiges Demontieren kommt daher allerdings auch nicht in Frage.

Den Gummizug an der Vorderseite nutzten wir während der gesamten Reise zur Befestigung unserer ganz und gar unentbehrlichen Faltmatte – easy!

INHALT: Ein 2-Personen Zelt + Footprint, sowie 2 Matten, 1 Biwaksack, 2 Hüttenschlafsäcke bzw. in kühleren Gegenden ein Fleece zum schnellen Überziehen.

Die Oberrohrtasche (0,8 Liter) >> Link zum Nachfolgemodell << ist schmal genug, sodass sie sowohl vorne beim Steuerrohr als auch hinten beim Sitzrohr montiert werden kann und lässt sich, einhändig während der Fahrt öffnen und schließen. Durch den hohen Zippschutz muss man sich keine Gedanken machen, dass etwas herausfällt.

INHALT: Flickzeug, Fahrradtool, Schlüssel, die Sonnenbrille bzw. Musikbox und andere Kleinigkeiten. 

Ein wichtiger Punkt in den großen Backrollern ist für uns das Thema Ordnung – hier kommen die Ortlieb Packing Cubes ins Spiel. Die unterschiedlich großen und verschiedenartig aufgebauten Cubes (Form, Zip, Fächer) bieten zum einen vielseitige Verwendungsmöglichkeiten und zum anderen eine einfache Orientierung in den tiefen der Panniers. Wenn man mal wieder im Finsteren versucht etwas aus einem Backroller herauszukramen und schon an Form oder Zipverschluss den Inhalt des entsprechenden Cubes erkennen kann. Wir haben den einzelnen Cubes Themenbereiche zugeordnet (Badezimmer, Küche, Tools,…) und uns dadurch auch in der Kommunikation miteinander viel Sucharbeit erspart.

Der Drybag (22 Liter) ist wie ein Fallschirm für unsere geliebten Daunenschlafsäcke. Er ist superleicht und platzsparend, wenn man ihn mal doch nicht braucht. Im Zelt lässt sich der Drybag mit ein bisschen Luft befüllt als Notfallkissen einsetzen, bei Ausflügen am Wasser schützt er wichtige Dokumente bzw. Elektrogeräte. Auch hier heizt sich der schwarze Drybag signifikant stärker auf als sein gelber Kollege.

TIPP: Das Solarpanel lässt sich auf der Rundung des Drybags optimal gen Sonne ausrichten.

Hier findest du auch einen Instagram Beitrag zum Thema Taschensetup.

Sämtliche Taschen wurden uns von Ortlieb in Zusammenarbeit mit der Firma Funbike zur Verfügung gestellt.

Und sonst so?

Am Lenker bzw. unterm Sattel hatten wir unsere geliebten Barbuddies der Marke BBB montiert – je zwei per Gummizug verschließbare Trinkflaschenhalter, die wir kurzerhand zu unserem „Handschuhfach“ für Handy, Sonnenbrille, Kleingeld, Strandgut, Kekse, Obst und andere Snacks umfunktionierten.

Zu guter Letzt seien noch unsere guten alten Wanderrucksäcke erwähnt, die uns in entlegenen Landstrichen zusätzlichen Stauraum für Lebensmittel und Wasser auf den Gepäckträgern boten. Es war für uns undenkbar, keinen Rucksack für alle Fälle (Ausflüge zu Fuß, Transporte etc.) dabeizuhaben und wir würden es wieder tun 🙂

Das Bikepacking-Taschensetup für unsere Packrafting Reise am Kaukasus war wiederum eine ganz andere Geschichte…