Unsere treuen Begleiter…

So eine Radreise wäre nicht möglich ohne einen robusten und verlässlichen fahrbaren Untersatz. Und der ist uns bei den letzten Reisevorbereitungen buchstäblich zugeflogen – seither sind wir Markenbotschafterinnen der deutschen Fahrradmarke velotraum. Hier wollen wir euch unsere geliebten Reiseräder kurz vorstellen und ein wenig von den Arbeitsschritten bei der Bikewartung auf Reisen erzählen.

Velotraum Finder FD12

Velotraum spricht vom „Fahrrad als Lebensmittel“ und genau das ist dieser unschlagbare Drahtesel für uns. Der velotraum Finder FD12 ist das Top-Modell im velotraum Sortiment und misst sich in der Kategorie „Abenteuer- und Reisefahrrad“ mit den ganz Großen – nur irgendwie anders:

Wir als alte Mountainbikerinnen haben uns mit dem robust-sportlichen Erscheinungsbild des Finder 12 sofort sehr wohl gefühlt – es hat uns geradezu herausgefordert, unsere Räder in allen nur erdenklichen Terrains auf Herz und Nieren zu testen. Hier schätzen wir besonders den hochrobusten Alu Rahmen, um den wir nicht bei jedem wilden Sturz und haarstäubenden Transport bangen müssen. Zwar hat er unter seiner markanten Doppelgabelbrücke zur Zeit „nur“ eine herkömmliche Gabel, dank tapered shape am Steuerrohr ist er aber für eine Aufrüstung auf Federgabel jederzeit zu haben. An allen neuralgischen Punkten sind außerdem langlebige Gewindeeinsätze als funktionale Montagepunkte für Gepäckträger, Ständer, Flaschenhalter und Frontpacks / Lowrider zu finden. Kabelzüge und Hydraulikleitungen sind zugänglich (und zugleich exponiert) außen am Rahmen verlegt.

Das Herzstück des Finder ist die Pinion C 1.12 Getriebeschaltung – ein in sich geschlossenes System, das selbst unter den harschesten Bedingungen unbeeindruckt schnurrte wie ein Kätzchen. Arabische Sandstürme, Schlammschlachten und Tauchgänge während der sambischen Regenzeit, salzig-feuchte Luft an der wilden Westküste Afrikas sowie intensive Schneegestöber auf Österreichs Alpenpässen – alles kein Ding.

Das Pinion C1.12 Getriebe besticht durch 12 Gänge mit einer Range, die in sich Rennrad und Mountainbike vereint und unserer Meinung nach auch übertrifft. Übertragen wird die Energie von der Pinion Kurbel Forge (170 mm) über je ein Pinion Kettenrad (30 Zähne) am Getriebe und am Hinterrad über eine einfach Kette (KMC X1).

Warum Kette? Nachdem wir über ein Jahr in Gebieten unterwegs waren, in denen die Versorgung mit Ersatzteilen bzw. einem Ersatzriemen nur umständlich möglich gewesen wäre, haben wir uns für die gute alte Kette entschieden, die man selbst in entlegenen Gebieten Afrikas ohne viel Aufwand bekommen bzw. per Kettenschloss auch mal reparieren kann.

Wir fahren mit 27,5+ Schwalbe Johnny Watts (60-584) Bereifung auf DT Swiss Felgen (584-40) und AirPlus Schläuchen (54-584) ebenfalls von Schwalbe und sind bezüglich Rollwiderstand, Traktion, Dämpfung und Abrieb total überzeugt.

Egal ob auf Waschbrettpisten in Namibia, Schneefahrbahn in Österreich, Geröll und Schlamm in Sambia, Sandverwehungen in Saudi Arabien oder auf feinstem türkischen Asphalt: Dämpfung und Auftrieb sind durch gezielten Bar-Einsatz super zu steuern – viele der gefahrenen Etappen hätten wir mit herkömmlichen Touring-Reifenmaßen nicht einmal angedacht. Und, ja, wir sind tatsächlich alle 24.100km mit einem Satz Mäntel gefahren!

Gestoppt wurden wir nur gezielt durch unsere hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano (BL-MT501 / BR-MT500) mit 180mm Bremsscheiben (SMRT56), wenn sich mal wieder der eine oder andere Elefant vor uns auf die Straße geschoben hat oder es am Straßenrand lokale Leckereien zu kaufen gab.

Johanna fährt einen sportlichen Sattel von Terry (Butterfly Arteria Gel wmn) während Tanja ein etwas weicheres Modell von Selle Royale bevorzugt. Beide sind an der Sattelstange von Ritchey (Comp V2) angebracht.

Das angenehm aufgeräumte Cockpit besteht aus einem 680 mm Lenker an einem 6° Vorbau (beides von Ritchey) abgeschlossen durch Ergon GP5 Lenkergriffe inklusive Lenkerhörnchen sowie der Pinion Drehgriffschaltung rechts.

Der robuste Gepäckträger Spica von Racktime ermöglicht uns die gesamte Ausrüstung sicher und stabil zu transportieren und die Parkstütze von Pletscher lässt uns sogar im tiefen Sand das 50kg schwere Fahrrad standfest abstellen.

Unser Radzubehör beschränkte sich auf je ein praktisch am Rahmen montiertes Trelock Faltschloss, ein extra Drahtkabel mit Vorhängeschloss, und je einen simplen Sigma Radcomputer.

Ein paar Downsides unserer Räder seien der Vollständigkeit halber auch erwähnt: Das Eigengewicht (17kg) schließt längere Tragepassagen für uns grundsätzlich aus, was angesichts unseres Gepäck- und Taschensetups aber ohnehin nie im Focus stand. Das Risiko besonders für die 27,5+ Bereifung nicht allerorts Ersatzteile zu bekommen, haben wir angesichts der hochwertigen Grundausstattung, einer verlässlichen Betreuung durch velotraum und Tanjas Fähigkeiten als Fahrradmechanikerin in Kauf genommen. Eine letzte Sache, die sich – nicht auf dieser Reise, jedoch in einem Bikepacking-Setup – als problematisch erweisen könnte, ist das dank großer Rohrdurchmesser und Rahmenkonstruktion klein ausfallende Rahmendreieck, das gerade genug Platz für zwei große Radflaschen bietet.

Unsere Reisefahrräder wurden uns von der Firma Velotraum zur Verfügung gestellt, deren Produkte inklusive Beratung und Bike-Konfiguration in Wien von Ciclopia vertrieben werden.

Fahrradwartung

Wir sind mit unseren velotraum Fahrrädern 24.100 Kilometer von Kapstadt nach Wien gefahren und unser Fazit ist, der Finder 12 ist ein High-End Fahrrad, das trotz intensivster Beanspruchung mit geringstem Wartungs- und Reparaturaufwand brilliert. 

Da aber jedes Fahrrad dieser Welt Aufmerksamkeit braucht, geben wir hier eine kurze Übersicht über die Reparaturen, die wir am Weg machen mussten.

Es muss gesagt werden, dass Afrikas Landschaft von Dornen übersät ist und wir uns gerne an das eine oder andere Offroad-Abenteuer wagen. Somit mussten wir unsere superstabilen Schläuche auf dem Weg nach Hause sage und schreibe 39 Mal geflickt flicken (nur neun Platte passierten abseits des afrikanischen Kontinents). Reifen flicken wurde in Afrika Teil der Reiseroutine und es ergaben sich oft lustige Möglichkeiten mit Locals in Kontakt zu treten.

Ersatzflicken konnte man übrigens genauso wie Einfachketten ab dem fahrradbegeisterten Sambia nordwärts in fast jedem Dorf bekommen und so konnten wir jede Panne auf der Stelle beheben.

Die Fahrradkette zu reinigen und zu ölen ist auf einer Radreise eine ähnliche Routine wie das tägliche Zähne putzen – Fahrradkettenkaries verursachen vor allem Sand, Salz, Staub und Schlamm.

Weiters musste sie hin und wieder nachgespannt und nach etwa 10.000 Kilometern auch mal getauscht werden. Beim Zieleinlauf in Wien nach 24.000 Kilometern fuhren unsere Bikes bereits mit der dritten Kette.

Dank offensichtlich geringen Abriebes sind wir tatsächlich die gesamte Strecke mit einem Satz Schwalbe Johnny Watts Mäntel gefahren – wir haben lediglich einmal vorne /hinten getauscht. 

Jeder Satz Bremsbeläge mussten etwa drei Mal gewechselt werden. Das erste Mal nach dreieinhalb Ländern und einer sambischen Schlammschlacht, das zweite Mal nach den arabischen Wüsten und das dritte Mal in Istanbul.

Unsere Pinion Getriebeboxen befüllten wir nach rund 10.000 gefahrenen Kilometern auf Sansibar mit einer frischen Ladung Pinion Getriebeöl. Schraube auf – altes Öl raus – neues Öl rein – Schraube zu – fertig. Easy.

Dank dem Pinion Lockring Tool war ebenfalls ab Sansibar auch das Festziehen des Lockrings keine große Herausforderung mehr und wir konnten wieder fest in die Pedale treten und unsere Kreativität auf anderen Ebenen ausleben.

Die Radnaben machte sich nach ca. 12.000 gefahrenen Kilometern akustisch bemerkbar und so behandelten wir die in Sambischen Flüssen durchgespülten und in der Saudischen Hitze total ausgetrockneten Lager mit einer dicken Fettschicht.

Nachdem wir keine Konusschlüssel in unserer mobilen Werkstatt dabei hatten, suchten wir einen örtlichen Fahrradmechaniker in der zweitheiligsten Stadt Saudi Arabiens – Medina – auf, der uns kurz vor seinem Mittagsgebet seine gesamte Werkstatt zur Verfügung stellte und das ungewohnte Treiben (Saudische Frauen sieht man eher nicht in einer Werkstatt) an seinem Arbeitsplatz mäßig interessiert beobachtete.

Keine dieser Aufgaben dauerte wesentlich länger als 30 Minuten und somit fühlen wir uns absolut gesegnet mit diesem Minimum an Aufwand und Maximum an Fahrvergnügen.

Genauere Infos zum Inhalt unseres Werkzeugkastens findest du im Kapitel „Ausrüstung„. Außerdem gibt es auch einen Instagram Beitrag zum Thema „Fahrradwartung“